Tonarm- und Tonabnehmer-Justage
Im folgenden Artikel werde ich versuchen, mit möglichst wenig Mathematik
ein wenig Klarheit über die Wichtigkeit der korrekten Tonarm- und Tonabnehmer-
Justage zu schaffen.
Der Spurwinkelfehler
Abbildung 1 zeigt die Tonarm-
und Plattenspieler-Geometrie. C ist die Plattentellerachse und P der
Drehpunkt des Tonarms. Die Nadel des Tonabnehmers befindet sich im Punkt
S. Wäre der Tonarm gerade, so gäbe es lediglich einen Punkt, in dem
der Spurwinkelfehler Null wäre. Das heisst, die Symmetrielinie des Tonabnehmers
läge auf einer Tangente zu der Rille. Der Fehler, der auftritt, wenn
die Nadel die Platte abspielt, könnte dadurch beliebig klein gemacht
werden, daß man die Armlänge hinreichend vergrößert. Das ist, aus praktischen
Gründen, offensichtlich nicht machbar. Gängige Praxis ist, den Arm anzuwinkeln,
wie PAS in der Abbildung 1 zeigt, oder den Tonabnehmer in einem
Winkel zum Arm einzubauen. Beide Methoden verbessern die Abtastung drastisch.
Die Art und Weise, wie diese Verbesserung
zu stande kommt, kann man anhand der folgenden Formel, die sich aus
der Anwendung des Cosinus-Satzes auf das Dreieck PCS ergibt (sorry -
aber etwas Mathe muß halt her), erkennen. Abbildung 2 zeigt eine Grafik für einen Wert von
240 mm für die effektive Länge L und drei Werten für D, gewöhnlich Überhang
genannt. Aufgetragen ist der Spurwinkelfehler phi eines geraden
Arms PS. Man kann erkennen, daß wenn R größer wird, auch phi
für D=0 größer wird. Ist D jedoch positiv (d.h. L > PC), so geht
die Kurve durch ein Minimum. Differenzieren der Gleichung 1 ergibt die
in Abbildung 2 gezeigte
Relation.
Die Tatsache, daß es ein Minimum für
phi gibt, ermöglicht eine Verbesserung der Abtastung. Verdreht
man den Tonabnehmer um den Winkel beta (Abbildung 1), so wird der Spurwinkelfehler kleiner.
Dies wird in Abbildung 3 gezeigt, wobei ein Wert von 240 mm
für L und ein Winkel von 23° für den Winkel PSA (nicht PAS)
verwendet wird.Ein Vergleich der Abbildungen
2 und 3 zeigt die Verbesserung
infolge der Verdrehung. In Abbildung 2 ist der Spurwinkelfehler
der Wert von phi, während er in Abbildung
3 die Differenz zwischen phi
und beta ist, die wir delta nennen. Er ist nicht nur
kleiner, sondern jetzt gibt es auch zwei Positionen wo er gleich Null
ist.
Es ist jedoch nicht nur der Wert von
delta der die verursachten Verzerrungen (prinzipiell 2. Harmonische)
bestimmt. Man kann zeigen, daß die Verzerrung proportional delta
/ R ist. Für ein gegebenes delta steigt die Verzerrung mit
abnehmendem Radius.Die Abbildungen 2 und 3 zeigen auch, daß der Spurwinkelfehler
für kleine Werte von R stärker ansteigt als für große. Dies alles zusammen
beschränkt die Wahl von L, D und beta für optimale Ergebnisse.
Die Kurve in Abbildung 4 für D=17 mm zeigt, wie sich alpha
/ R und damit die Verzerrungen mit dem Radius verändern.
Optimalen Einbau des Tonabnehmers kann man
erreichen, indem man Überhang und Kröpfung so wählt, daß der Betrag
von alpha / R beim kleinsten und größten Radius gleich dem
dazwischen liegenden Maximum ist. Dies bedeutet, daß alpha /
R an zwei Stellen gleich Null ist. Diese Tatsache wird von vielen Einstellschablonen
genutzt. Allerdings differieren diese Nullstellen von Schablone zu Schablone.
Warum? Nach IEC liegt der verwendete Radius zwischen 60,3 und 146,05
mm, während DIN einen inneren Radius von 57,5 mm zulässt. Dies ergibt
für einen Einbau nach IEC Nullstellen bei 66 und 121 mm, und nach DIN
Nullstellen bei 62,5 und 117,5 mm. Abbildung 5 zeigt den Verlauf von alpha
/ R für beide Einstelungen. Fast alle LPs besitzen einen minimalen Radius
von 60mm. Die mir bekannten Ausnahmen sind LPs aus den 70ern mit extremen
Spielzeiten wie z.B. "Best of .."-Sampler. Möchte man auch
Singles abspielen, so sollte man auf jeden Fall eine DIN-Schablone benutzen.
Der Einfluss falscher Montage auf die Qualität
Mit diesen Tatsachen im Hinterkopf ist es instruktiv, den Effekt einer
Veränderung von D in Schritten von 3 mm zu beobachten., d.h. den falschen
Einbau des Tonabnehmers und / oder Tonarms. Die in Abbildung 3 dargestellte
Situation zeigt den Entwurf eines guten Arms für die Wiedergabe von
Platten mit einem Radius von 60 bis 150mm. Für eine IEC-Justage ergibt
sich eine Kröpung von 22,8° und ein Überhang von17mm. Das entsprechende
Resultat zeigt die Kurve (D=17mm) in Abbildung 4.
Abbildung 6 zeigt phi in Abhängigkeit
von R für den selben Arm mit zwei weiteren Werten von D. Die obere Kurve
repräsentiert eine Einbaupostion, so dass die Nadel 3mm weiter vom Plattenzentrum
als erforderlich entfernt ist. Die untere Kurve zeigt den gegenteiligen
Fall. Der Spurwinkelfehler alpha ergibt sich, indem man den
festen Wert beta von den Ordinaten der Kurven subtrahiert.
Für D=14mm ist die Kurve so weit gesunken, dass alpha nur noch
an einer Stelle zu Null wird. Der Wert von alpha wird größer,
und somit auch alpha / R. Daher zeigt die entsprechende Kurve
von Abbildung 4 nur ein Null für den Spurwinkelfehler,
und die Werte an den anderen Stellen sind deutlich höher. In der oberen
Kurve von Abbildung 6 gibt es keine Schnittpumkte
mehr, woraus ein Anstieg der Verzerrungen resultiert.
Die zweite Möglichkeit der falschen Justage
besteht im verdrehten Einbau des Tonabnehmers. Sieht man sich Abbildung 3 an, so erkennt man leicht was passiert.
Montiert man den Tonabnehmer mit einem Fehler von 3° - was infolge des
grösseren Durchmessers der Montagelöcher als der Befestigungsschrauben
leicht möglich ist - so ändert sich beta von 18° auf 15° oder
21°. Um den Einfluss auf den Spurwinkelfehler zu erkennen, muss man
lediglich eine weitere Linie parallel zu der von Abbildung 3 ziehen, die durch
phi = 20° oder phi = 26° geht. Im einen Fall (
phi = 18° ) schneiden sich die Kurven nicht, während es im anderen
Fall nur einen Schnittpunkt gibt. Wie Abbildung 7 zeigt, steigen die Verzerrungen in
beiden Fällen deutlich an.
Zusammenfassung
Es zeigt sich deutlich, daß die Montage von Tonarm und Tonabnehmer äußerst
penibel erfolgen muß: schon wenige Millimeter oder Grad falsche Justage
erhöhen die Verzerrungen drastisch. Ob man nun eine IEC- oder eine DIN-Schablone
verwendet, hängt vom abzuspielenden Plattennmaterial ab.